Küstenfischerei heute – zwischen kulturellem Erbe und nachhaltiger Fischereiwirtschaft.
Fisch und Meeresfrüchte werden an der Costa Brava zu wunderbaren Gerichten verarbeitet. Warum nicht einmal den Weg vom Meer auf den Teller erkunden. Der Besuch einer Fischauktion gibt dazu sehr interessanter Einblicke.
Die Fischerei hat in Palamós eine sehr lange Tradition. Schon im frühen 14. Jahrhundert sind hier erste Aktivitäten von Fischfang verzeichnet. Ein Erbe, dessen man sich hier wohl bewusst ist. Die Stadt ist immer noch stark vom Fischfang geprägt und heute der zweitgrößte Fischereihafen Kataloniens (nach Roses).

Gefischt wir hier traditionell in kleinen Booten mit unterschiedlichen Netzen, je nach Fangart. Ausgelaufen wird am frühen Morgen, vor Sonnenaufgang, gegen 16:30 Uhr laufen die Boote wieder in den Hafen ein, wo der Fang dann direkt in der Fischauktion versteigert wird.
Auf den Barken wird der Fang vorsortiert und in Kisten gepackt.


Dann wird jede einzelne Kiste vom Veterinär geprüft, der Auktionator versieht sie mit den Namen des Fischerbetriebes und legt das erste Gebot fest. Das erste Gebot wird hoch angesetzt und sinkt in schnellem Takt, bis ein Händler oder Restaurantbesitzer den Knopf drückt: Gekauft!
Vom ersten Stock können wir die Auktion durch ein großes Fenster überblicken. Es wird erklärt, wie eine Auktion abläuft, welche Merkmale die Fischereiflotte aufweist, welche Fischarten über das Förderband laufen, wie sich die Preise bilden und welche Käufer kommen, um ihren bestmöglichen Fang zu ersteigern.



Wir erfahren von den Problemen, mit denen die Küstenfischerei in den vergangenen Jahrzehnten konfrontiert war und noch immer ist: Die Folgen der Überfischung sind natürlich auch im Mittelmeer spürbar – in den 1990er Jahren stand die Fischerei in Palamós praktisch vor dem Zusammenbruch. Gemeinsam mit Wissenschaftlern wurden neue Fangmethoden entwickelt, wie z. B. die Verbesserung der verbreiteten Schleppnetztechnik, damit diese den Meeresboden nicht mehr berühren und schädigen. Auch solche Maßnahmen wie die Vergrößerung der Maschen wurden eingeführt, um den Beifang zu reduzieren und die Bestände mehr zu schonen. Heute unterliegen die Fangquoten zudem den strengen nationalen und EU-weiten Auflagen und Regelungen, einschließlich einer vorgeschriebenen Dokumentation, in der jeder einzelne Fang transparent und nachvollziehbar protokolliert werden muss.

In Palamós ist man Pionier im Fischerei-Co-Management von Mittelmeer-Trawling, ein Modell, das von den Fischern selbst gefördert und geleitet wird. Wissenschaftliche Einrichtungen, Fischereiverwaltungen, Fischer, Experten und Forscher sind an der Überwachung des Managementplans beteiligt. Alle Beteiligten haben sich einem Ökosystem-Ansatz verschrieben, der eine ausgewogene und nachhaltigen Nutzung im biologischen, wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Kontext zum Ziel hat. Der gilt für alle Arten, eine besondere Regelung gibt es zudem für den Garnelenfang.

Weltberühmt und eine wichtige Einnahmequelle für die lokalen Fischer sind die roten Gambas. Sie stammen aus tiefen nährstoffreichen Gewässern vor Palamós, dürfen nur von lizensierten Booten gefischt werden und besitzen daher die regionale Herkunftsbezeichnung. Sie gelten als besondere Delikatesse mit ihrem feinen und festen Fleisch. Um den intensiven, beinahe süßlichen Geschmack zu bewahren, werden sie meist nur kurz auf der Plancha gegrillt und mit Meersalz bestreut.

Aber nicht alle Gambas, die vor Palamos gefischt werden, dürfen sich Gamba vermella de Palamós nennen. Ein Veterinär prüft jede Kiste nach strengen Kriterien: z.B. muss die Produkttemperatur unter 5°C liegen, wird die Farbe anhand einer Farbskala bestimmt und die Größen dann in mitjana, grossa und extra eingestuft. Nur einwandfreie Tiere bestehen die Prüfung. Mit dieser Auszeichnung versehen, rechtfertigt sich dann am Ende der erheblich höhere Preis gegenüber der ’normalen‘ Gamba blanca.

Wer nach so viel Information Appetit auf Fisch und Meeresfrüchte verspürt, kann sich in einem der Restaurants direkt am Hafen verwöhnen lassen oder – wenn ihr über ein Feriendomizil mit Küche verfügt – den frischen Fang in der vorgelagerten, öffentlich zugänglichen Verkaufshalle kaufen und selbst zubereiten. Was für ein Genuss! (Öffnungszeiten Llotja: Montag – Freitag 16:30 bis 20 Uhr)


Die Fischhalle liegt direkt am Fischereihafen. Tickets für die Auktion gibt es nebenan, im weithin sichtbaren Museu de la Pesca (oder über dessen Webseite: museudelapesca.org – VISITA A LA SUBHASTA DEL PEIX). Freitags um 16:30 und 17 Uhr. Führung auf Katalanisch, Audio-Guide: Spanisch, Englisch, Französisch, Dauer ca. 30 Minuten, Eintritt 3,50€ (Stand 2026)

Im hervorragend geführten Museum kann man tief in die Geschichte der Fischerei in Palamós eintauchen. Die Mission ist, das gesellschaftliche Bewusstsein für die Werte eines gesunden und nachhaltigen Meeres zu schärfen. Gleichzeitig ist das Museum auch der physische Ort für die Akteure, die sich für die Bewahrung, Erforschung und Verbreitung des kulturellen und maritimen Erbes einsetzen.
In dem Museum angeschlossenen Espai del Peix gibt es regelmäßig kulinarische Veranstaltungen und Show-Cookings mit Verkostung: https://www.espaidelpeix.org/ . Wobei auch hier der Fokus auf die Nachhaltigkeit der Fischereitätigkeit gerichtet wird: Die Förderung des Wissens über die Welt der Fische und der Fischerei wird über traditionelle wie kreative Kochkunst vermittelt. (Veranstaltungen auf Katalanisch)



