Baden in Vichy Mineralwasser.
Wer schon einmal in Katalonien war, kennt es sicherlich: Vichy Catalan, das viele Jahrzehnte lang der Standard in Restaurants war, wenn ein aqua mineral con gas bestellt wurde. Ikonisch ist die künstlerische Flaschen- und Etikett-Gestaltung, die vom Werk Gaudis inspiriert ist.

Ich habe lange nicht gewusst, dass Vichy Catalan ein anerkanntes Heilwasser und seine Kohlensäure natürlichen Ursprungs ist. Und dass man darin auch baden kann. Die Historie geht bis ins Jahr 1881 zurück, als ein Arzt die gesundheitsfördernden Eigenschaften des Quellwassers in Caldes de Malavella entdeckte. Er kaufte die Quelle und das angrenzende Land, fing an das Wasser in Flaschen abzufüllen und zunächst in Apotheken zu verkaufen. Die Erfolgsgeschichte begann – heute wird Vichy Catalan in vielen Ländern der Welt getrunken.

20 Jahre später wurde das Vichy Catalan Spa errichtet, zunächst als ein Krankenhaus, das Bade- und Trink-Kuren mit Thermalwasser anbot. Es entwickelte sich zum berühmten Hotel Balneari Vichy Catalan, in dem sich bald die Oberschicht Barcelonas traf – heute würden wir sagen, zum Wellness-Urlaub..


Man kann natürlich auch das Bad besuchen, ohne im Hotel zu übernachten. Es gibt einen ‚Circuito Termal‘, in dem man in einer knappen Stunde durch verschieden temperierte Becken, Duschen, Saunen und ein Kneipp-Fußbad wandelt.
Interessant ist, dass das Mineralwasser mit konstant 60°C aus der Erdoberfläche sprudelt und im Thermalbad auf 32°-35°C herunter gekühlt wird.

Es war ein netter Besuch, ich würde allerdings raten, nicht mit zu hohen Erwartungen an eine Erlebnis-Therme hierher zu fahren. So schön und großzügig die Architektur des Gebäudes ansonsten wirkt, der Circuito ist eher zweckmäßig
angelegt. Zum Verweilen ist er eh nicht gedacht, auf einer Tafel lesen wir die Reihenfolge und Verweildauer in Minuten der jeweiligen Station. Ruhen und entspannen kann man davor oder danach bei den zubuchbaren Massage- und Schönheitsbehandlungen. ( Vorherige Anmeldung erforderlich: https://www.1881hotelbalneariovichycatalan.com )

Nicht weit entfernt steht noch ein architektonisches Juwel des Wellness-Booms im Anfang des 19Jhr, das Balneari Prat. Es hat ein Warmbecken im Außenbereich und bietet auch Behandlungen mit Thermalwasser an.

Beim weiteren schlendern durch Caldes de Malavella stoßen wir auf die Überreste einer römischen Therme. Nicht sehr überraschend wenn wir erfahren, dass Caldes – vom lateinischen calidus – in der Antike als Orte mit heißen Quellen bezeichnet wurden. Die alten Römer nutzten die Quellen von Malavella schon vor über 2000 Jahren. Diese Therme war sogar bis ins Mittelalter in Betrieb, was wohl der Grund für den sehr gut erhaltenen Zustand ist.


Im Ort gibt es mehrere Zugänge zu Quellwasser, das für den eigenen Gebrauch abgezapft werden darf.

Insgesamt ist es ein schöner und interessanter Ausflug zum Ursprungsort des katalanischen Nationalwassers. Die Sehenswürdigkeiten sind alle in einem Spaziergang durch den kleinen Ort zu erreichen. Wer noch tiefer in die Geschichte eintauchen möchte, der kann sich auf der Webseite umschauen: https://www.visitcaldes.cat
Caldes de Malavella, Selva, rund 30km westlich von Calonge entfernt. Viele nutzen den großen Parkplatz am Bahnhof von Caldes, um mit dem Zug weiter nach Barcelona zu fahren.

Noch ein Wort zum Markennamen Vichy Catalan: Der hat absolut nichts mit der Vichy Quelle in Frankreich zu tun. Diese ebenfalls heißen Quellen waren damals schon berühmt, man nahm sie kurzerhand als Synonym für Heilwasser und setzte ein Catalan zur örtlichen Positionierung hinten an.
