Die neue Weinkellerei von Perelada

Bauprojekt der Superlative: Tradition, Vision und das stetige Streben nach Exzellenz im Weinbau treffen auf ein ebenso exzellentes und visionäres Team von Architekten.

Schon lange bevor die bisherige Kellerei des erfolgreichen Familienunternehmen Perelada aus allen Nähten platzte, existierte die Idee, dieses in früheren Zeiten landwirtschaftlich genutzte Gebäude zur neuen Weinkellerei umzufunktionieren. Um Inspirationen dafür zu sammeln – so erfahren wir in der Führung – reiste die Familie durch viele ungewöhnliche Weingüter rund um den Erdball.

Am Ende kehrte man (keine Überraschung) zu seinen katalanischen Wurzeln zurück und beauftragte das Architekturbüro RCR aus Olot, keine 60 km von Peralada entfernt. Mit RCR holte man sich jedoch nicht ’nur‘ Architekten an seine Seite, sondern ein Ideenlabor, das mit einem ganzheitlichen Ansatz unter der Einbeziehung von Landschaft, Design, Kunst und Denken, stets die Suche nach dem Wesentlichen kultiviert.

Die Architektur ist der Rahmen, das Bild ist die Landschaft.

Das Briefing für die neue Kellerei beruhte auf drei Säulen: Das Einbeziehen von Besuchern mit dem Wunsch, ein einzigartiges und sinnliches Erlebnis zu bieten, der Berufung, Weine von höchster Qualität zu erzeugen, sowie der Integration der Architektur des neuen Weinguts in die Landschaft des Empordà.

Das Sammeln von Regenwasser fügt sich wie ein Gestaltungselement ein und ist gleichzeitig auch eine beliebte Vogeltränke. (Rechts im Hintergrund die Rutsche, die mittels Schwerkraft die angelieferten Trauben zur nächsten Verarbeitungsstation befördert.)

So entstand die Idee, die Produktion in die Erde zu verlegen, um die die Landschaft um das Gut weitgehenst zu erhalten. Geplant wurde ressourcenschonend und konsequent nachhaltig, wie zum Beispiel das Sammeln von Regenwasser in den Kreislauf von Brauchwasser; eine natürliche ‚Klimaanlage‘, für die enorm wichtige gleichbleibende Temperatur und eine natürliche Beleuchtung durch den ausgeklügelten Einfall von Tageslicht. Umgesetzt in einem Gesamtwerk mit einer zeitlosen, auf das Wesentliche reduzierten Ästehtik. Der Beton strahlt in Erdtönen schlichte Eleganz aus und schlägt mit der Farbe die Brücke zur Erde der Emporda.

Wir werden mit dem Aufzug unter die Erde geführt, wo wir zunächst in einem Kinosaal einen Film über die Geschichte des Weingutes Perelada sehen.

Zitat von Javier Suqué, Präsident der Perelada-Gruppe und Enkel des Gründers: „Die neue Kellerei von Perelada ist ein Vermächtnis für die kommenden Generationen. Ich denke, es ist eines der aufregendsten Projekte der letzten zehn Jahre im europäischen Weinbau. Es verkörpert die grundlegende Leidenschaft unseres Unternehmens für die Herstellung großer Weine sowie unser Engagement, uns durch Experimente und Innovationen weiterzuentwickeln“.

In fünf Stationen werden wir via Multivisionsschauen durch die fünf Weingüter in der Empordà geführt. Wie wichtig der Boden ist, auf dem die Reben wachsen – und wie speziell und unterschiedlich die Böden der Empordà sind und Einfluss auf den Wein haben – das erfahren wir nicht nur virtuell, sondern können ganz bodenständig, die jeweilige Erde und das Gestein sinnlich erleben.

Die neue Kellerei von Perelada ist die erste in Europa, die über die Umwelt- und Energiezertifizierung LEED® BD + C verfügt, ein vom US Green Building Council entwickeltes Gütesiegel, das die Nachhaltigkeit und hohe Effizienz ihres Entwurfs und ihrer Bauweise bescheinigt.

Wir Besucher wandeln auf einer Brücke durch die Halle mit den Gärtanks. Sie ist so konzipiert, dass die Arbeiter darunter hindurch gehen können. Auch hier zeigt sich wieder die unglaubliche Liebe zum Detail: Durch Schlitze in der Glaswand vermittelt sich den Besuchern der Geruch in der Halle.
Das Streben nach Exzellenz, bedeutet sich nie mit dem Ist-Zustand zufrieden zu geben. Hier im ‚Tempel‘ wird in Betontanks experimentiert und an der Präzision des Ausbaus gefeilt.
In der Wein-Bibliothek werden unterschiedliche Jahrgänge gelagert, um deren Entwicklung in der Flasche zu verfolgen.

Dieser Gang ist auch so eine Station, wo man den Wunsch bekommt, einmal ganz allein und in Ruhe dieses Gebäude auf sich wirken zu lassen.

Reflektieren kann man aber natürlich auch bestens bei der Verkostung der hier gekelterten Weine!
Ich würde die Führung jederzeit wiederholen, die zahlreichen Details sind bei einem Besuch kaum zu erfassen. Es lohnt, sich etwas vorzubereiten.

Hier noch ein paar interessante Informationen zur Entstehungsgeschichte des Unternehmens:

Die Erfolgsgeschichte der Weinkellerei Perelada begann 1923, als ein Spross der wohlhabenden Unternehmerfamilie Mateu das Schloss in Peralada erwarb. Auf dessen Grund bauten bereits Karmelitermönche Wein an und getrieben von einer Vision, begann er den Weinanbau, der hier seit Urzeiten zur Landschaft gehört, intensiv zu erneuern.

Foto: peralada.com

Sein Schwiegersohn übernahm im Jahr 1972 die Leitung von Perelada und trieb weiter jahrzehntelang an vorderster Front einen tiefgreifenden Wandel voran – getragen von einer Obsession für Qualität und einem grundlegenden Ziel: Perelada zu einem der renommiertesten Weingüter des Landes zu machen.

Sein Plan ging auf: Die Familie kaufte über Jahrzehnte regelmäßig Flächen dazu, heute sind es rund 150 ha in der Empordà, rund ein Zehntel der gesamten Anbaufläche. Weitere Fincas mit bekannten Namen im Penedes und im Priorat ergänzen das Portfolio in Katalonien, aber auch Weingüter im Navarra, Rioja und Ribera del Diero gehören zur Perelada Gruppe.

Tickets für Besichtigungstouren können online reserviert werden: perelada.com. Wer nach Peralada sucht, kommt genauso ans Ziel: Perelada ist der Name des Unternehmens, Peralada der Name von Dorf und Schloss.

Paratge la Granja s/n  17491 Peralada, Alt Empordà, 76 km (rund 7 km hinter Figueres), eine gute Autostunde von Calonge-Cabanyes entfernt.

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