Monestir Sant Pere de Rodes

Von Legenden umrankter Pilgerort.

Es gibt Plätze, deren Aura mich sofort in ihren Bann ziehen. Beim ehemaligen Benediktinerkloster Sant Pere de Rodes geschah das gleich beim ersten Blick nach der kurvenreichen Auffahrt.

Schwer zu sagen, was mich bei dem Besuch am meisten beeindruckt hat; die Erhabenheit dieses mächtigen Gebäudekomplexes mit einer über 1000-jährigen Geschichte, die unglaubliche Lage, in der es 520 Meter über dem Meer weithin sichtbar seine Faszination ausstrahlt und – oben angekommen – der umwerfende Ausblick auf die Weite des Meeres, auf die zerklüftete Küste des Nationalpark Cap de Creus und auf das Fischerdorf Port de la Selva.

Auf unserer Erkundung erfahren wir, dass dieses Kloster in den Bergen der Serra de Rodes eine sehr lange und wechselhafte Geschichte hinter sich hat. Zum ersten Mal erwähnt wurde es im Jahr 878 als klösterliche Zelle, deren Anfänge im Dunkeln liegen. Archäologische Funde lassen darauf schließen, dass hier bereits im 6. Jahrhundert ein größeres Gebäude stand, dessen Funktion allerdings bislang nicht erforscht werden konnte.

Viele Legenden ranken sich um diesen Ort. So soll sich an dieser Stelle bereits in der Antike ein Tempel der Venus Pyrene befunden haben, wofür es aber trotz Ausgrabungen, die auf eine römische Präsenz hinweisen, keine archäologischen Nachweise gibt.

Eine weitere Legende – auf der die spätere Entwicklung zu einem wichtigen christlichen Pilgerort beruhte – ist der Reliquien-Schatz, den das Kloster beherbergt hat: Im Jahr 608 sollen Mönche wertvolle Reliquien von Rom aus in Sicherheit gebracht und just an diesem Ort – damals die Einsiedelei eines Heiligen – versteckt haben.

Der Gründungsmythos: Als man die Reliquien später wiederfand, ward an dieser Stelle die klösterliche Zelle errichtet, die dem Heiligen Petrus gewidmet wurde. Immerhin handelte es sich – so erzählt es die Legende weiter – um nicht weniger als den Kopf und den rechten Arm des Apostel Petrus und ein Stück des Kreuzes an dem Jesus gestorben war.

Fortan ließen großzügige Schenkungen von Adeligen ein Bauwerk entstehen, das Kunsthistoriker nicht weniger als ein Schlüsselwerk mittelalterlicher Architektur- und Bildhauerkunst bezeichnen. Und sich hier die Anfänge der romanischen Kunst Kataloniens wenn nicht ganz Südwesteuropas vollzogen.

Die Kirche wurde 1022 geweiht und ist für ihre Zeit ungewöhnlich groß.

Die Baumaßnahmen gingen weiter, das Kloster prosperierte und mit ihm die umliegenden Dörfer. Wir erkennen in der Umgebung an den zahlreichen alten Trockenmauern, wie weitläufig der Wein- und Ölanbau betrieben wurde.

Wie die Kirche einst ausgesehen haben mag, kann man nur erahnen. Nur sehr wenige Skulpturen sind übrig geblieben, wie zum Beispiel diese (Kopie) einer biblischen Szene des “Meisters von Cabestany”.

Das Kloster wurde im Mittelalter mehrfach überfallen und geplündert. Der Bau eines Wehrturmes stellte für diesen Fall die letzte Zuflucht dar.

1697 ist im Kloster die letzte Veranstaltung des Heiligen Jahres vollzogen worden, danach folgte sein Niedergang. 1798 verlassen es die letzten verbliebenen Mönche endgültig. Sie ziehen zunächst nach Vilasacra, dann nach Figueres, bevor die Klostergemeinschaft 1835 endgültig aufgelöst wird.

Sant Pere de Rodes ist auch heute noch Startpunkt des Pilgerweges Camí de Sant Jaume a Catalunya, ein Teil des Netzes der spanischen Jakobswege. Wer den Ausblick noch toppen möchte, nimmt den Weg in ca. 20 Minuten zur ehemaligen Burg Sant Salvador de Verdera hinauf (rechts oben im Bild).

Im Laufe des 1989 startenden staatlichen Projektes zur archäologischen Untersuchung und Restaurierung, wurde ein Schatz mit 658 Goldmünzen entdeckt, die aus vielen Gegenden Europas stammen und sich über einen langen Zeitraum angesammelt haben. Er bezeugt die herausragende Stellung als Pilgerort. Es wird vermutet, dass die Münzen aus Angst vor Plünderern gut versteckt und mit der Zeit vergessen wurden.

Foto: amicsmuseunacional.org/ca/tresor-de-sant-pere-de-rodes/

Monestir de Sant Pere de Rodes, Camí del Monestir, s/n, 17489 El Port de la Selva, Alt Empordà, 91 km / 1,5 Std. von Calonge-Cabanyes entfernt
Tipp: Jedes Jahr im August findet hier ein klassisches Musikfestival statt, Infos unter: festivalsantpere.com

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