Die Essenz der katalanischen Küche

Arròs a la cassola.

Typischer geht’s nicht: Einen katalanischen Reistopf sollte man sich auf seiner Reise auf keinen Fall entgehen lassen, in traditionellen Restaurants steht er am Donnerstag – dem Reistag – auf dem Speiseplan. Köche an der Costa Brava, die etwas auf sich halten, verwenden dazu Arròs de Pals – den lokalen Reis aus Pals, dem zweitgrößten Reisanbaugebiet in Katalonien (nach dem Ebro-Delta).

In den ehemaligen Sümpfen und heutigen Feuchtgebieten zwischen Pals und Torrolela de Montgri, finden sich dazu ideale Bedingungen. Schon im 15. Jahrhundert wurde hier nachweislich Reis angebaut.

Allerdings war der Reisanbau für die Menschen in früheren Zeiten eine Qual – das stehende Wasser war eine Brutstätte für Mücken und Bakterien. Die nahen Bewohner und vor allem die Arbeiter, die den ganzen Tag im knietiefen Wasser stehen mussten, wurden immer wieder von schlimmen Infektionskrankheiten wie Malaria heimgesucht. Zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert galt die Ebene des Baix Empordà zeitweise als so gesundheitlich problematisch, dass der Reisanbau schließlich verboten wurde.

Die Schwerstarbeit auf den Feldern ist Vergangenheit. Heute erfolgt der Anbau voll maschinell.

Im frühen 20. Jahrhundert konnte die Situation durch mehrere Maßnahmen und Faktoren verbessert werden: Die Bewegung des Wassers durch eine gezielte Regulierung der Be- und Entwässerung mit Kanälen und Gräben, die aktive Bekämpfung der Mücken und nicht zuletzt Fortschritte in der Medizin.

Die Reisfelder befinden sich heute zum Teil im Naturpark ‚Les basses d’en Coll‘, das mit seinen Feuchtgebieten, Schilfgürteln und Dünen für viele Vogelarten einen wichtigen Brutplatz darstellt.

Landwirtschaft im Naturschutzgebiet ist hier kein Widerspruch, im Gegenteil. Wir kennen die Geschichte der Feuchtgebiete auch vom Ausflug in die Aiguamolls: Es sind Kulturlandschaften, in denen Mensch und Natur seit Beginn der Besiedelung zusammenwirken.

Da der Reis in allen Wachstumsphasen Wasser braucht, entstehen von der Aussaat im Mai/Juni bis zur Ernte im Oktober großflächige Flachgewässer, die Zug- und Wasservögeln als Rast- und Nahrungsgebiet dienen. Auch viele Amphibien, Libellen und andere Wasserinsekten profitieren von den zeitweise überstauten Flächen.

Die Felder ergänzen die natürlichen Feuchtgebiete und erhöhen die Vielfalt an Lebensräumen.

Naturschutz und traditionelle Landwirtschaft ergänzen sich selbstverständlich nur, solange die Bewirtschaftung nachhaltig erfolgt und der Erhalt des ökologischen Gleichgewichtes oberste Priorität hat.

Der umweltorientierte Anbau ist strengen Auflagen hinsichtlich des Einsatzes von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln unterworfen. Beim Wasser- und Bewirtschaftungsmanagement, dem Erhalt der Gräben und Pufferzonen, arbeiten die Landwirte eng mit Agrar- und Wasser-Ingenieuren, Wasserbehörden und – versorgern, Biologen und Naturschutzverbänden zusammen.

Der hier angebaute Rundkornreis wächst wegen der klimatischen Bedingungen langsamer als im weiter südlich gelegenen Ebro-Delta. Dadurch entwickelt er ein festes Korn mit einer besonderen Porosität, was den Pals-Reis extrem saugstark macht. Er behält seine Textur auch beim Kochen, weshalb er sich hervorragend für den Arròs a la cassola eignet.

Der typische Arròs negre wird mit Sepiatinte gekocht, ist recht flüssig und wird mit Meeresfrüchten serviert, in seiner Edelvariante mit Hummer (Arròs caldós amb llamàntol). Es gibt allerdings so viele Varianten wie Köche, oft auch als Mix mit Huhn, Kaninchen und Würstchen als ein Mar y Muntanya Gericht.

In Pals werden verschiedene Sorten angebaut, wie zum Beispiel der Cristall.í, der beim Kochen weniger Flüssigkeit aufnimmt und damit besser für eine Paella geeignet ist.

Wer nicht weniger als die Königin der Reissorten wählen möchte, greift zu Bomba. Der unangefochtene Star im Reishimmel besitzt die besondere Eigenschaft, sehr viel Flüssigkeit und Aromen aufzunehmen, ohne zu zerfallen oder matschig zu werden, was ihn für praktisch alle spanischen Reisgerichte prädestiniert. Auch in Pals wird Bomba angebaut, der jedoch sehr viel Aufwand erfordert und wenig(er) Ertrag bringt. Feinschmecker wissen ihn jedoch zu schätzen und bezahlen gerne den deutlich höheren Preis.

Ursprünglich in Valencia beheimatet, steht Paella auch an der Costa Brava sehr häufig auf der Speisekarte.

Das Reisanbaugebiet kann zu Fuß oder auch sehr gut mit dem Fahrrad erkundet werden. Oder: Man nimmt den Xiulet de Pals und lässt sich durch die Felder bis zur alten Mühle, der Molì de Pals aus dem Jahr 1452 fahren.

Während der Fahrt und in der Mühle gibt es jede Menge Informationen über den Anbau und die Verarbeitung bis zum fertigen Reiskorn.

Der Verarbeitungsprozess wird anhand von Miniaturausgaben der Maschinen veranschaulicht.
Erster Schritt: Entfernen der Spelzen.
Letzter Schritt Sortierung: Nur Körner mit einer Mindestgröße kommen in den Verkauf. Aus den kleinen Körnern wird Reis-Mehl, -Semola, -Bier, -Sirup, -Essig, auch Seife und sogar Papier hergestellt. Überhaupt werden sämtliche Nebenprodukte aus dem Verarbeitungsprozess weiterverwendet oder werden wieder dem natürlichen Kreislauf zugeführt – sei es als Kissenfüllung, Tierfutter oder Dünger für die Bodenverbesserung.

Buchung der Rundfahrt durch die Reisfelder mit Führung in der Mühle: https://www.elxiuletdepals.com , Abfahrt am APARCAMENT D’AUTOCARS, Carrer de l’Abeurador, 17256 Pals, Baix Empordà, 23 km / 24 Min. von Calonge-Cabanyes entfernt.

Start von eigenen Exkursionen zu Fuß oder mit dem Rad, z.B. beim Oficina de turismo in Mas Pinell, mit Parkplatz : Carrer del Golf, 17256 Pals, Baix Empordà .

Auf der anderen Seite des Ter befindet sich das Feuchtgebiet Ter Vell, zu entdecken bei einer Wanderung um l’Estartit .

Nach oben scrollen