Eines der schönsten Narturerlebnisse der Costa Brava, mit einer Entstehungsgeschichte wie im Märchen.
Hinter dem Namen Aiguamolls d’Empordà, verbirgt sich nicht nur das zweitgrößte Feuchtgebiet Kataloniens und eines der bedeutendsten Naturschutzgebiete im Mittelmeerraum, es erzählt auch die unglaubliche Geschichte, wie dieses wertvolle Öko-System entgegen der boomenden Bau- und Tourismusindustrie der 1970er Jahre erhalten werden konnte. Eine Geschichte von David gegen Goliath.

In den Feuchtgebieten und dem Schwemmland zwischen den beiden Flussmündungen von Muga und Fluvià, war zu Beginn der 1970er Jahre bereits der Bau einer riesigen Wohn-Marina nach der Art des Vorgängers und Nachbarn Empuriabrava verabschiedet worden: Eine Siedlung mit einem Netz aus schiffbaren Kanälen und einer Kapazität für 65.000 Einwohner.

Diese Pläne riefen einen jungen Mann auf den Plan, der in dieser Landschaft bereits als Kind mit seinem Vater zum Angeln ging und von den Beobachtungen der heimischen Vogelwelt so fasziniert war, dass es für ihn fortan nur einen Berufswunsch geben konnte: Naturforscher und Ornithologe zu werden.
Jordi Sargatal war sofort klar, dass dieses Bauvorhaben nicht nur den Lebensraum für seine geliebten Vögel zerstören würde, sondern auch eine katastrophale Auswirkung auf das über jahrtausende entstandene Zusammenspiel von Natur, Tier und Pfanzenwelt bedeutet.
Entschlossen stellte er sich diesem Vorhaben entgegen, verfasste eine große Anzahl von Texten für dessen Verteidigung, mobilisierte Menschen, die sich mit ihm zusammenschlossen für Aktionen vor dem Umweltministerium, hielt Vorträge auf zahlreichen nationalen und internationalen Kolloquien und stellte sich mit einigen Mitstreitern tatsächlich physisch den heranrollenden Bulldozern mutig in den Weg.

Heute dürfen wir Besucher des Parks dieses seltene Ökosystem mit seiner vielfältigen Flora und Fauna auf verschiedenen Rundgängen erleben. Störche zum Beispiel konnten hier wieder dauerhaft beheimatet werden.

Die Aiguamolls sind Heimat und Station von zahlreichen (Zug-)Vögeln, viele seltene geschützte Arten finden hier gute Bedigungen zum Brüten. Ein fast 2 km langer Strandabschnitt – der Platja de Can Comes – wurde zum Schutz der Tiere dauerhaft gesperrt.
Es gibt Routen unterschiedlicher Länge, die durch den Park führen. Einige sind nur zu Fuß, andere auch mit dem Fahrrad zu erkunden. Die kürzeste Strecke ist in einer guten Stunde zu machen, man kann mit einem gefüllten Picknick-Korb jedoch ohne weiteres einen Tag hier verbringen.

Am Informations-Punkt El Cortalet können wir parken (4€, kommen dem Erhalt des Parks zugute) und uns mit Info-Material und Übersichts-Karte versorgen. Es gibt auch andere Zugänge mit Parkmöglichkeiten. Wer sich noch näher vorbereiten möchte, was auf dem Ausflug an Flora und Fauna zu entdecken ist, findet auf der Seite https://aiguamollsdelemporda.cat/ alles genau erklärt.

Für mich ist der Parque Natural dels Aiguamolls de l’Emporda nicht nur ein wundervolles Naturerlebnis, sondern auch ein sehr lebendiges Denkmal für praktizierten Mut. Jordi Sargatal ist einer meiner stillen Helden, der sich mit seiner Vision, einem langen Atem und einer unglaublichen Hartnäckigkeit gegen ein sehr mächtiges Establishment gestellt und am Ende gewonnen hat. Was für eine schöne und mutmachende Geschichte, vor allem für Kinder und Jugendliche: Am Ende kann ein einzelner Mensch den Unterschied ausmachen und etwas scheinbar Unmögliches, möglich machen.

Unzählige Pflanzen, Tiere und Generationen von Parkbesuchern haben ihm die Rettung dieses Paradieses zu verdanken.

Mit geprägt hat das Gebiet der Aiguamolls die hier schon seit Beginn der Besiedelung betriebene Landwirtschaft und Viehzucht. Wegenetze, Kanalsysteme und alte Bauernhäuser, die ‚Cortalets‘ zeugen davon.

Ein sehr eindrucksvolles Beispiel stellen die riesigen Silos dar, die früher den Reisbauern zur Lagerung und Trocknung des Reises dienten. Heute sind sie zu Aussichtstürmen umgebaut.

Parque Natural dels Aiguamolls de l’Empordà, Centre d’informació El Cortalet, 17486 Castelló d’Empúries, Alt Empordà, 65 km / rund eine Autostunde von Calonge-Cabanyes entfernt.
Jordi Sargatal hat auch bei der Erhaltung und dem Schutz des Feuchtgebietes an der Mündung des Ter mitgewirkt. Auch eine sehr schöne Wanderung dorthin: Die Wanderung um Estartit

PS: Ich erzähle hier viel von Tier- und Vogelerlebnissen und stelle fest, dass auf meinen Aufnahmen kaum eines zu sehen ist. Das ist meinen eher wenig auflösenden Kameras geschuldet. Der Park wimmelt davon und ist auch deshalb ein Paradies für Natur-Fotografen und Ornithologen, mir begegneten auf unserem Besuch tatsächlich mehrere mit sehr beachtlichen Teleobjektiven.
